Nachhaltigkeit

Wir können, was wir müssen!

etika asbl
21. Dezember 2020
„Corona-Pandemie“ – man mag dieses „Wort des Jahres“ nicht mehr hören. Doch wir entkommen ihm weiterhin nicht. Es gibt aber noch drei andere „Wörter des Jahres“, deren Bedeutung vielen nicht ganz klar ist. In der auf drei Jahre angelegten Kooperation von Bâloise mit etika asbl, einem luxemburgischen Verein der Sozialfinanz, soll es unter anderem darum gehen, gemeinsam einen Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Versicherungsgeschäft einzuschlagen. Eine kleine Reihe regelmäßiger Denkanstöße soll sich an dieser Stelle auch an Bâloise-Kunden richten. Wir hoffen, damit eine nachhaltige Wirkung zu erreichen.

Nachhaltigkeit: mehr als langfristige positive Entwicklung

Sie merken schon: Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wurde eben in unterschiedlicher Bedeutung genutzt. Es lohnt, über ihn nachzudenken, zumal er seit Jahren von so vielen benutzt worden ist, dass sein  eigentlicher Sinn fast schon floskelhaft überstrapaziert und damit zerredet worden ist. Es geht um viel mehr als um eine positive langfristige Entwicklung.

Aber zunächst zurück zu Covid-19: Durch die Pandemie haben wir verstanden, dass unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem sehr anfällig ist. Die Stichworte zu dieser Situation sind Adaptation und Resilienz. Der Begriff „Adaption“ (von lateinisch ad aptare - „anpassen“) beschreibt die kurzfristige Rückkehr zur Ausgangssituation (falls möglich) – also eine Selbstregulation. Wir haben neue Regeln des Zusammenlebens eingeführt und uns fast schon daran gewöhnt. Im Sommer schien das abgeschlossen, mit dem „Neistart“ sollte wieder der alte „Normalzustand“ angestrebt werden: Eine auf stetiges Wachstum ausgerichtete Wirtschaft. Dann kam die zweite Welle.

Adaptation ist aber nur ein Anpassungsprozess an veränderte Bedingungen, kein proaktives Verhalten. Der Begriff ist auch aus der Klimakrise bekannt und wird abgegrenzt von „Mitigation“ (von lat. mitigatio - „mildern“). Gemeint ist die aktive Verringerung der Treibhausgasemissionen.

Ökonomische Resilienz: Ein neues Maß für die Wertschätzung der Gesellschaft

Auch der Begriff „Resilienz“ (von lat. resilire - „zurückspringen, abprallen“) ist aus der Klima-Debatte bekannt. Er steht für die Fähigkeit eines Ökosystems, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren. Und er beschreibt, sehr aktuell, die psychische Widerstandsfähigkeit und innere Stärke von Menschen und Gesellschaften, externe Störungen zu verkraften.

Viele fühlen sich in dieser Situation ohnmächtig. Sie wissen zwar, was sie kurzfristig zu tun haben, sind aber außerstande, ihr Handeln so zu verändern, dass die Vielzahl an Krisen (neben der Covid- und Klimakrise auch der dramatische Verlust der Artenvielfalt) in einem gemeinschaftlichen Tun gelöst werden könnten.

Bei der Veröffentlichung eines Berichts des „Observatoire de la compétitivité », betonte Wirtschaftsminister Franz Fayot kürzlich, dass man - Covid-19 oblige - Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit durch solche der Resilienz ersetzen sollte. Er bezog sich auf Statistiken, denen zufolge die am wenigsten verletzlichen Länder diejenigen mit einem guten Gesundheitssystem, einer günstigen Arbeitsmarktsituation mit wenig prekär beschäftigten Personen und Selbstständigen sowie einer erhöhten Fähigkeit zum Home-Office seien. Luxemburg habe sehr gut abgeschnitten.

Er sprach von der ökonomischen Resilienz und hat auch schon betont, wie wichtig nachhaltiges Wirtschaften sei. Nachhaltigkeit muss in Bezug auf die genannten Krisen aber auch sozial und ökologisch gesehen werden. Dieses Konzept beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren natürlichen Systems in einer Weise, dass es in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann. Nimmt man das ernst, darf es keine Rückkehr zur „Normalität“ vor dem Lockdown geben. Unser Wirtschaftssystem mit hoch effizienten globalen Lieferketten, die unter Missachtung ökologischer und sozialer Mindeststandards aufgebaut wurden, zerstört unsere Zukunft.

Wir wissen also, was zu tun ist. Und können das auch, denn: die Bausteine dafür sind längst vorhanden.