Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit von Unternehmen

etika asbl
9. Juni 2021
Nachhaltiges Wirtschaften scheint in aller Munde zu sein. Mit der Klimakrise und dem rasanten Verlust der Artenvielfalt ist die Forderung nach echter Nachhaltigkeit noch dringlicher geworden. Die Pandemie hat deutlich gemacht, dass es nicht mehr darum geht, dass ein Industriebetrieb seine Abwässer und unbehandelten Abgase einfach in die Alzette oder die Frischluft "ablässt". Heute stellen sich viel komplexere Fragen entlang der gesamten Produktlieferkette.

Was genau sollen und können Unternehmen tun, um ihre Nachhaltigkeit zu bewerten und zu verstehen, wo sich etwas ändern muss? Bislang gibt es keine umfassende Definition dieses Konzepts, obwohl auf europäischer Ebene mit der "Taxonomie" ein Versuch unternommen worden ist. Eine einheitliche Definition kann es jedoch nicht geben, da sich Unternehmen und ihre Nachhaltigkeitsleistung je nach Größe, Branche, ihrer oft globalen Lieferkette und auch den Wertvorstellungen der Beobachter stark unterscheiden. 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Unternehmen einerseits in Bezug auf die internen Prozesse (Büroausstattung, Kantine, Energieeffizienz des Gebäudes) und andererseits in Bezug auf die Produktion (Herkunft der Rohstoffe oder Waren, C02-Emissionen) betrachtet werden muss. Es handelt sich also um zwei sehr unterschiedliche Aufgaben.

Kann ein Unternehmen nachhaltig sein?

Die erste Frage, die sich stellt, ist, ob ein Unternehmen nachhaltig sein kann. Ein Bio-Betrieb, der nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft arbeitet, kann nachhaltig sein. Aber ein Industrieunternehmen oder ein Dienstleistungsunternehmen? Wie kann z.B. eine Versicherung ihre Finanzprodukte nachhaltig gestalten?

Eine einfache Erklärung der Nachhaltigkeit ist das Prinzip der Ressourcenneutralität. Das bedeutet, dass Ressourcen nur in dem Maße verbraucht werden, wie sie regeneriert werden können. Denkt man an materielle Rohstoffe (wie Holz, Sand oder Stahl), aber auch an menschliche Arbeitskraft (und damit an Motivation, Gesundheit, Arbeitsklima und Work-Life-Balance), mag man skeptisch sein, ob dies möglich ist.

Können Unternehmen ressourcenneutral handeln?

Darf ein Textilunternehmen nur so viel Baumwolle verarbeiten, wie nachwachsen kann? Können Elektronikhersteller so produzieren, dass sie nicht mehr Abfall und Giftstoffe in die Umwelt abgeben, als wieder abgebaut werden können? Und was passiert mit den Produkten am Ende ihrer Lebensdauer? Kann ein Autohersteller seine Lieferkette so organisieren, dass die Menschen nicht mehr arbeiten müssen, als gut und gesund für sie ist? Kann ein Landwirt auf eine Weise anbauen, die dem Boden keine Nährstoffe entzieht, sondern ihn vielleicht sogar wieder auffüllt?

Theoretisch können Unternehmen ressourcenneutral handeln. Abgesehen von den Biobauern scheint fast keine Branche bisher eine umfassende und faire Lösung gefunden zu haben. Aber sie sind sich dessen bewusst und versuchen mit unterschiedlichem Aufwand, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Sie versuchen, zumindest ein verantwortungsvolles Unternehmen zu werden.

Soziale Verantwortung des Unternehmens

Die gängigste Praxis ist Responsabilité Sociétale des Entreprises (RSE) – oder auf Englisch Corporate Social Responsibility (CSR). Ein Unternehmen, das RSE praktiziert, ist bestrebt, einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu haben, die Umwelt zu respektieren und gleichzeitig wirtschaftlich lebensfähig zu sein. Ein Gleichgewicht, das es mit Hilfe seiner Stakeholder, d.h. seiner Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Aktionäre oder lokalen Akteure, aufbauen wird.

Unternehmen, die sich zur Umsetzung verpflichten, werden daher freiwillig diese Dimensionen über den ihnen auferlegten gesetzlichen Rahmen hinaus integrieren, indem sie gute Praktiken umsetzen oder sich sogar für neue Wirtschaftsmodelle öffnen. Für einige Unternehmen, vor allem für solche, deren Aktivitäten große Auswirkungen auf die Umwelt haben, wie z. B. die Bergbau- oder Ölindustrie, bedeutet dies, dass sie ihr Geschäftsmodell überdenken müssen, um es mit dem Kampf gegen den Klimawandel und dem Schutz der biologischen Vielfalt vereinbar zu machen.

ESG-Kriterien

Die anderen versuchen, sich in Richtung Ressourcenneutralität in der Produktion zu bewegen und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung als Ganzes zu leisten. Verabschiedet ein Unternehmen diese Ziele, orientiert es sich bei der Umsetzung in der Regel an den Auswirkungen der Maßnahmen in den drei Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance. All diese Auswirkungen werden in den so genannten ESG-Kriterien (für Umwelt, Gesellschaft und Governance) zusammengefasst. Lesen Sie hier mehr.

Unsere Beratung

Seit Januar 2020 arbeiten die Bâloise Assurances Luxembourg und etika in drei Hauptfeldern zusammen. Zunächst agieren wir als interner Berater in Sachen Nachhaltigkeit, um Verbesserungsvorschläge für eine nachhaltigere und verantwortungsvollere Arbeitsweise zu liefern. Darüber hinaus werden die Mitarbeiter der Bâloise durch Schulungen und Konferenzen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. Schließlich unterstützt unser Verein die Bâloise bei der Entwicklung von ethischen Versicherungsprodukten, die den neuen Konsumentenbedürfnissen gerecht werden, darunter das neue Produkt "Switch Plan", die erste nachhaltige Lebensversicherung des Landes.